Digitale Visitenkarte für Anwälte und Kanzleien: professionell und berufsrechtskonform
eDigital Business Cards Redaktion · · · Berufe

Anwältinnen und Anwälte geben ihre Kontaktdaten oft in Situationen weiter, in denen Sorgfalt zählt: im ersten Mandantengespräch, im Gerichtsflur, auf einer Fachtagung. Eine digitale Visitenkarte passt gut dazu, wenn sie zurückhaltend gestaltet ist und das Berufsrecht beachtet. Dieser Beitrag zeigt, wo Kanzleien eine digitale Visitenkarte einsetzen, welche Angaben ins Profil gehören und worauf Sie bei Werbung, Verschwiegenheit und Impressum achten sollten. Die allgemeinen Kaufkriterien finden Sie im Ratgeber zum Kauf einer digitalen Visitenkarte.
Wo Anwältinnen und Anwälte ihre Kontaktdaten weitergeben
Im Mandantengespräch
Nach einem ersten Gespräch möchte die Mandantin wissen, wie sie Sie erreicht und wer in der Kanzlei zuständig ist. Eine Karte zum Antippen speichert Ihre Kontaktdaten direkt im Adressbuch. Im Profil findet sie Ihre Durchwahl, Ihr Sekretariat und die Anschrift der Kanzlei.
Bei Gericht
Im Gerichtsflur tauschen Kolleginnen und Kollegen oft schnell Kontaktdaten aus, etwa für eine Abstimmung zu einem Vergleich. Ein kurzes Antippen ist hier diskreter und schneller als das Diktieren einer E-Mail-Adresse.
Auf Fachtagungen und Vorträgen
Wer auf einer Tagung spricht, kann am Ende einen QR-Code zeigen, der zum Profil führt. Zuhörerinnen speichern Ihre Daten und finden auf dem Profil zum Beispiel ein Skript zum Vortrag als Dokument.
Bei Empfehlungen
Viele Mandate entstehen durch Empfehlungen anderer Berufsträger, etwa aus der Steuerberatung. Ein Link zu Ihrem Profil lässt sich leicht weitergeben. Die empfehlende Person muss keine Daten abtippen, und Ihre Angaben sind immer aktuell.
Was ins Profil einer Kanzlei gehört
Ein Kanzleiprofil sollte klar, vollständig und sachlich sein. Diese Angaben haben sich bewährt.
Name, Berufsbezeichnung und Fachanwaltstitel
Nennen Sie Ihren Namen und die Berufsbezeichnung „Rechtsanwältin“ oder „Rechtsanwalt“. Fachanwaltsbezeichnungen führen Sie nur, wenn sie Ihnen von der Rechtsanwaltskammer verliehen wurden. Daneben können Sie Tätigkeitsschwerpunkte angeben, wenn Sie in diesen Gebieten tatsächlich tätig sind. Bleiben Sie bei den Begriffen, die Ihr Berufsrecht vorsieht.
Rechtsgebiete
Eine kurze Liste der Rechtsgebiete, in denen Sie beraten, hilft bei der ersten Einordnung. Beschreiben Sie diese sachlich, ohne Erfolgsversprechen und ohne Vergleiche mit anderen Kanzleien.
Kammer und Kanzleisitz
Geben Sie die zuständige Rechtsanwaltskammer und die Anschrift der Kanzlei an. Mit der Standortkarte im Profil finden Mandantinnen den Weg. Hinweise zu Parkmöglichkeiten oder zum Eingang helfen zusätzlich.
Kontakt speichern
Das wichtigste Element ist die Schaltfläche, mit der Ihr Gegenüber Ihre Kontaktdaten als vCard im Adressbuch speichert. Auf Wunsch legt es Ihre Karte auch in Apple Wallet oder Google Wallet ab. So findet man Sie Monate später wieder, wenn ein neues Anliegen entsteht. Wie vCard und Wallet technisch zusammenspielen, erklärt der Beitrag zur elektronischen Visitenkarte.
Dokumente
Merkblätter für Mandantinnen, etwa eine Liste mitzubringender Unterlagen für das Erstgespräch, lassen sich als PDF hinterlegen. Dokumente gehören zum Tarif Brand Presence.
Berufsrecht: sachlich über die Tätigkeit informieren
Für die Außendarstellung von Anwältinnen und Anwälten gelten in Deutschland besondere Regeln. Nach § 43b der Bundesrechtsanwaltsordnung ist Werbung nur erlaubt, soweit sie über die berufliche Tätigkeit in Form und Inhalt sachlich unterrichtet und nicht auf die Erteilung eines Auftrags im Einzelfall gerichtet ist. § 6 der Berufsordnung für Rechtsanwälte konkretisiert das: Angaben über die eigene Dienstleistung und Person müssen sachlich und berufsbezogen sein.
Für Ihr Profil heißt das in der Regel: Informieren Sie über Person, Qualifikation, Rechtsgebiete und Erreichbarkeit. Verzichten Sie auf reißerische Formulierungen, auf Erfolgsquoten und auf die gezielte Ansprache von Menschen, die gerade einen bestimmten Rechtsfall haben. Ein Profil, das neutral informiert, ist in aller Regel unproblematisch. Bei Fragen wenden Sie sich an Ihre Rechtsanwaltskammer oder lassen Sie sich im Zweifel beraten.
Vorträge und Veröffentlichungen
Viele Anwältinnen und Anwälte halten Vorträge, schreiben Fachbeiträge oder geben Seminare für Unternehmen. Diese Tätigkeiten können Sie im Profil sachlich nennen, etwa mit einer kurzen Liste und einem Link zum jeweiligen Beitrag. Ein Skript oder eine Checkliste zum Vortrag hinterlegen Sie als Dokument. So informieren Sie über Ihre fachliche Arbeit, ohne für ein bestimmtes Mandat zu werben. Achten Sie darauf, dass verlinkte Beiträge aktuell sind und die Rechtslage noch zutreffend beschreiben.
Elemente des Profils im Überblick
| Element | Empfehlung | Begründung |
|---|---|---|
| Name und Berufsbezeichnung | Immer angeben | Grundlage jeder sachlichen Information |
| Fachanwaltstitel | Nur, wenn verliehen | Die Bezeichnung setzt eine Verleihung durch die Kammer voraus |
| Rechtsgebiete und Schwerpunkte | Sachlich auflisten | Hilft bei der Einordnung, ohne anzupreisen |
| Rechtsanwaltskammer und Kanzleisitz | Angeben | Gehört in der Regel zu den Pflichtangaben |
| Kontakt speichern als vCard | Prominent platzieren | Mandantinnen finden Sie später wieder |
| Kontaktformular | Nur mit wenigen Feldern | Verschwiegenheit schützen, keine Sachverhalte abfragen |
| Erfolgsquoten oder Mandantenstimmen | Weglassen | Können mit dem Sachlichkeitsgebot kollidieren |
Verschwiegenheit: das Kontaktformular
Die anwaltliche Verschwiegenheit ist eine Grundpflicht des Berufs. Sie beginnt nicht erst mit dem Mandat. Wenn Sie über den Tarif Business Add-ons ein Kontaktformular im Profil anbieten, fragen Sie deshalb nur das Nötigste ab: Name, Telefonnummer oder E-Mail-Adresse und das Rechtsgebiet in einem Auswahlfeld.
Schreiben Sie direkt über das Formular einen klaren Hinweis: „Bitte schildern Sie hier keine Einzelheiten Ihres Falls. Wir melden uns, um einen Termin für ein vertrauliches Gespräch zu vereinbaren.“ So vermeiden Sie, dass sensible Sachverhalte über ein Formular eingehen, bevor eine Mandatsbeziehung besteht und bevor Sie einen Interessenkonflikt prüfen konnten. Eine vergleichbare Zurückhaltung empfiehlt sich in Arztpraxen, die keine Gesundheitsangaben über Formulare erfragen sollten, wie der Beitrag zur digitalen Visitenkarte für Ärzte und Praxen erklärt. Wie Sie mit erfassten Kontaktdaten datenschutzgerecht umgehen, erklärt der Beitrag zur digitalen Visitenkarte und DSGVO.
Impressum auf dem Kanzleiprofil
Wenn Sie Ihr Profil geschäftlich nutzen, ist in der Regel eine Anbieterkennzeichnung nach § 5 des Digitale-Dienste-Gesetzes nötig. Für Anwältinnen und Anwälte gehören dazu meist zusätzliche Angaben: die zuständige Rechtsanwaltskammer, die gesetzliche Berufsbezeichnung und der Staat, in dem sie verliehen wurde, sowie ein Hinweis auf die berufsrechtlichen Regelungen. Nach der Dienstleistungs-Informationspflichten-Verordnung können außerdem Angaben zur Berufshaftpflichtversicherung erforderlich sein.
Sie können diese Angaben als Text oder als PDF im Profil hinterlegen. Wie ein Impressum auf einer digitalen Visitenkarte aufgebaut sein kann, beschreibt der Beitrag zum Impressum auf der digitalen Visitenkarte. Lassen Sie den Text im Zweifel von Ihrer Kammer oder einer Kollegin prüfen.
Kanzleien mit mehreren Berufsträgern
In einer Kanzlei mit mehreren Anwältinnen und Anwälten lohnt sich eine einheitliche Vorlage. Alle Profile zeigen dasselbe Logo, dieselbe Reihenfolge der Angaben und dieselben Pflichtangaben im Impressum. Unterschiedlich sind nur Name, Fachanwaltstitel, Rechtsgebiete und Durchwahl. So wirkt die Kanzlei nach außen geschlossen, und Mandantinnen finden sich auf jedem Profil zurecht.
Denken Sie auch an das Sekretariat und die Rechtsanwaltsfachangestellten. Sie sind oft die erste Ansprechperson für Mandantinnen. Ein gemeinsames Kanzleiprofil mit der zentralen Telefonnummer reicht für sie in der Regel aus.
Scheidet eine Partnerin aus, ändern Sie ihr Profil auf die Kanzleidaten oder auf die Person, die ihre Mandate übernimmt. Klären Sie vorher, wie Sie bestehende Mandantinnen über den Wechsel informieren.
Typische Fehler auf Kanzleiprofilen
Ein häufiger Fehler ist eine Formulierung wie „Spezialist für“, die leicht als Fachanwaltsbezeichnung missverstanden wird. Bleiben Sie bei den Begriffen, die das Berufsrecht vorsieht. Ein zweiter Fehler ist ein Formular mit einem großen Freitextfeld, das Mandantinnen zur Schilderung ihres Falls einlädt. Ein dritter ist ein fehlendes oder unvollständiges Impressum. Prüfen Sie Ihr Profil deshalb vor der Bestellung der Karten einmal vollständig.
Material und Tarif für die Kanzlei
Viele Kanzleien wählen für Partnerinnen und Partner eine Karte aus Metall, weil sie zu einem zurückhaltenden, hochwertigen Auftritt passt. Für das übrige Team eignet sich PVC. Jede Karte trägt einen NFC-Chip und einen aufgedruckten QR-Code. Bei Metall kann das Antippen je nach Smartphone etwas empfindlicher sein; der QR-Code ist dann der zweite Weg.
Für ein informierendes Profil reicht in der Regel der Tarif Brand Presence mit Dokumenten, Standortkarte und Analysen. Wer ein Kontaktformular oder eine Terminanfrage im Profil möchte, wählt Business Add-ons. Beide Tarife sind Einmalzahlungen. Im deutschen Shop nennen wir Preise auf Anfrage.
Häufige Fragen
Ist eine digitale Visitenkarte für Anwälte zulässig?
In der Regel ja, wenn das Profil sachlich über die berufliche Tätigkeit informiert. Maßgeblich sind § 43b BRAO und § 6 BORA. Lassen Sie sich im Zweifel von Ihrer Kammer beraten.
Darf ich Fachanwaltstitel im Profil nennen?
Ja, aber nur, wenn die Rechtsanwaltskammer sie Ihnen verliehen hat. Tätigkeitsschwerpunkte können Sie daneben angeben, wenn Sie dort tatsächlich tätig sind.
Was darf das Kontaktformular abfragen?
Nur das Nötigste, also Name, Kontaktweg und Rechtsgebiet. Weisen Sie ausdrücklich darauf hin, dass keine Einzelheiten zum Fall geschickt werden sollen.
Braucht mein Profil ein Impressum?
Bei geschäftlicher Nutzung in der Regel ja. Für Anwältinnen und Anwälte gehören meist Kammer, Berufsbezeichnung und berufsrechtliche Regelungen dazu. Lassen Sie den Text im Zweifel prüfen.
Welches Kartenmaterial passt zu einer Kanzlei?
Viele wählen Metall für einen hochwertigen Auftritt und PVC für das Team. Entscheidend ist, dass die Karte zu Ihrem Erscheinungsbild passt.
Können Mandanten meine Kontaktdaten direkt speichern?
Ja. Über die Schaltfläche im Profil speichern sie Ihre Daten als vCard im Adressbuch. Auf Wunsch legen sie Ihre Karte zusätzlich in Apple Wallet oder Google Wallet ab.
Nächster Schritt
Legen Sie fest, welche Angaben Ihr Profil enthält, und prüfen Sie Impressum und Formular. Sehen Sie sich danach die digitale Visitenkarte für Anwälte und Kanzleien an und fordern Sie dort ein Angebot an. Weitere Beiträge finden Sie im Ratgeber-Bereich.